ISDN-Abschaltung: Was kommt da auf uns zu?

Wechsel von ISDN auf VoIP
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Aktualisiert am 18.01.2017
Was sich vor nicht einmal 20 Jahren – als das „Netz der Zukunft“ verkündet wurde – im deutschen Alleingang auf dem Telefonmarkt etablierte, wird nun in wenigen Monaten endgültig Vergangenheit sein. Denn dann wird ISDN endgültig abgeschaltet. Der Telekom, als Hauptbetreiber dieser Art von auf Glasfasernetz gestützter Telefonie mit Basis- und Primärmultiplex-Anschluss sowie einer Kanalbündelung für geschwindigkeitssüchtige Websurfer, ist die veraltete Vermittlungstechnik aus dem Ruder gelaufen. Das führte bereits seit 2015 dazu, dass wöchentlich um die 70.000 Privat- und Geschäftsanschlüsse auf VoIP-Telefonie umgestellt wurden. Vom technischen Aspekt betrachtet bedeutet dieser Technologiewechsel, dass zum Telefonieren kein separater Übertragungskanal mehr benötigt wird, sondern die nun vollständig digitalisierten Sprachpakete über die Datenleitung eines bereits vorhandenen Internetanschlusses zwischen den Gesprächspartnern transportiert werden. Doch ist das schon alles? Wir haben zusammengetragen, was man über die ISDN-Abschaltung auf jeden Fall wissen sollte!

Internettelefonie – Hört sie nach neuer Hardware an?

  • Telefonanschlüsse am Router
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    © salita2010 | Die gute Nachricht zuerst: Durch die ISDN-Abschaltung kommen in der Regel keine neuen Ausgaben auf die Haushalte zu. Denn…
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Was das technische Equipment anbelangt, kann im Rahmen der Umstellung von ISDN zu VoIP auf den alten NTBA mitsamt dem Splitter verzichtet werden, da diese Funktionen nun der DSL-Router übernimmt. In modernen Geräten dieser Art befindet sich meist eine Anschlussmöglichkeit für analoge Endgeräte, sodass ältere Telefone, Modems und TK-Anlagen auch weiterhin genutzt werden können. Schlimmstenfalls, wenn es im Fachhandel an passenden Adaptern für noch vorhandene ISDN-Geräte fehlt, muss ein neuer, aktuellerer Router angeschafft werden. Moderne DSL-Router werden allerdings im Rahmen der Umstellung oft auch kostenlos oder zu einem sehr geringen Preis von den Telefonprovidern an ihre Bestandskunden abgegeben, sodass eine größere finanzielle Investition nur selten erforderlich ist.

ISDN: ein Anschluss, drei Nummern – Und bei VoIP?

  • Alte Rufnummern behalten
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    © Ralf Geithe | Die eigene Telefonnummer wächst schnell zu einem persönlichen Identitätsmerkmal heran. Daher wird sie nur ungern zugunsten…
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Auch administrativ betrachtet ändert sich bei der Telefonie per Internet für ISDN-Kunden nichts. Die zugewiesenen Rufnummern bleiben bestehen und können von den Anschlussinhabern weiter genutzt werden. Das Gleiche gilt für die meisten Komfortmerkmale des alten Anschlusses, wie etwa Anklopfen, Rufnummernübermittlung oder Anrufsperren. Diese müssen jetzt allerdings direkt über den DSL-Router konfiguriert werden, was dann auch für das Faxgerät, den Anrufbeantworter sowie eine eventuell vorhandene Alarmanlage oder auch Hausnotrufsysteme für pflegebedürftige Menschen und Senioren zutrifft. Gleichzeit bedeutet diese hohe Funktionalität aber auch, dass der DSL-Anschluss bezüglich seiner Schnelligkeit und konstanten Verfügbarkeit vor ganz besonders hohe Anforderungen gestellt wird. Und selbst ein kurzzeitiger Stromausfall kann dafür sorgen, dass bei spannungslosem Router überhaupt nichts mehr geht und selbst zu Notrufnummern keine lebensrettende Verbindung mehr möglich ist.

Wie viel Internet braucht VoIP eigentlich?

  • Bandbreite für Office-Telefonate
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    © Brian Jackson | Mit 100 kbit/s für ein akustisch einwandfreies Gespräch ist der Datendurchsatz zum Telefonieren per VoIP nicht sehr…
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Der Datendurchsatz während eines einzelnen Telefonats liegt ungefähr bei 100 kbit/s, wenn Up- und Downstream berücksichtigt werden und eine akustisch perfekte Sprachqualität gewünscht ist. Über einen DSL-Standardanschluss mit 16 MBit/s wäre es somit möglich, dass bis zu zehn Telefonate (begrenzt durch den Upstream bei ADSL) parallel geführt werden können, wie es bei kleineren Firmen durchaus üblich ist. Bei rein privater Nutzung ist bereits ein 2.000er DSL-Anschluss ausreichend. Unter bestimmten Voraussetzungen könnte der allerdings recht schnell an seine technischen Grenzen gelangen, wenn beispielsweise über diesen Kanal auch der Fernseher läuft. Dennoch lässt sich sagen, dass die mit Hochdruck laufende Umstellung von ISDN auf Internettelefonie zu 95 Prozent reibungslos verläuft. So lässt es die Deutsche Telekom zumindest verlautbaren – und nennt die 300 Beschwerden, die hierzu monatlich bei der Bundesnetzagentur eingehen eine „überschaubare Zahl“.

Zu lahme DSL-Leitung: Was tun?

  • Nicht auflegen wegen mangelnder Bandbreite
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    © Africa Studio | Kein Anschluss unter dieser Nummer: Sollte das Telefonieren per VoIP aufgrund mangelnder Bandbreite scheitern, sind…
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Zunächst sollte geprüft werden, ob vielleicht ein Wechsel des Telefon- bzw. Internetproviders Sinn macht. Dabei hilft ein DSL-Verfügbarkeitscheck, der neben einer schnelleren Datenleitung ins Netz auch noch zur Kostensenkung beitragen kann. Generell wird für VoIP-Telefonie nur ein entbündelter und preislich günstigerer Telefonanschluss nötig sein, der allerdings nur bei einigen ausgewählten Anbietern und nicht flächendeckend in ganz Deutschland zu haben ist. „Plan B“ für DSL-schwache Regionen, wie sie besonders in ländlichen Gebieten auch heute noch anzutreffen sind, kann alternativ auch darin bestehen, dass einige der bisher gewohnten Telefondienstleistungen ausgelagert werden und zukünftig völlig hardwareneutral in der Cloud stattfinden. Das erste deutsche Unternehmen für professionelles Outsourcing von Telefon, Fax, Mobilfunk und vielen anderen Kommunikationstools ist seit 2004 der Düsseldorfer VoIP-Anbieter sipgate. Und der firmeninterne Slogan „Tschüss Telefonanlage!“ kann hier durchaus in nur fünf Minuten zur Realität werden, egal ob für Privatkunden oder Inhaber von Firmenanschlüssen.

Alternative: Browser gestützte VoIP-Telefonie

  • Telefonieren ohne Telefon
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    © Brian Jackson | Wer gänzlich auf das gute alte Telefon verzichten kann, kommuniziert direkt mit Hilfe von Computer und Tablet, und zwar…
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Rein theoretisch wäre es für registrierte Benutzer möglich, mit Ausnahme eines DSL-Routers gänzlich ohne physisch vorhandene Hardware auszukommen und mit dem Rest der Welt und eigener Ortsvorwahl, dafür aber ohne Laufzeitvertrag und monatliche Grundgebühr, zum Spartarif zu kommunizieren. Die optionale Deutschlandflatrate würde mit zusätzlichen 9,95 € zu Buche schlagen. Und wer auf seine alte Rufnummer nicht verzichten möchte, hat die Möglichkeit, sie zum neuen basic-Tarif portieren zu lassen. Besonders angenehm ist die bedienerfreundliche Ersteinrichtung sowie das spätere Handling der unterschiedlichen VoIP-Pakete, für die lediglich eine Internetverbindung sowie ein aktueller Browser nötig sind. Im Gegensatz zu anderen Anbietern der Branche sind dem eigenen Benutzeraccount beliebig viele Nummern, darunter auch ausländische, zubuchbar. Und mit dem sipgate Anschluss können – im nicht anzunehmenden Ernstfall – alle gängigen Notrufnummern problemlos für eine schnelle Hilfe erreicht werden.

Was sich vor nicht einmal 20 Jahren – als das „Netz der Zukunft“ verkündet wurde – im deutschen Alleingang auf dem Telefonmarkt etablierte, wird nun in wenigen Monaten endgültig Vergangenheit sein. Denn dann wird ISDN endgültig abgeschaltet. Der Telekom, als Hauptbetreiber dieser Art von auf Glasfasernetz gestützter Telefonie mit Basis- und Primärmultiplex-Anschluss sowie einer Kanalbündelung für geschwindigkeitssüchtige Websurfer, ist die veraltete Vermittlungstechnik aus dem Ruder gelaufen. Das führte bereits seit 2015 dazu, dass wöchentlich um die 70.000 Privat- und Geschäftsanschlüsse auf VoIP-Telefonie umgestellt wurden. Vom technischen Aspekt betrachtet bedeutet dieser Technologiewechsel, dass zum Telefonieren kein separater Übertragungskanal mehr benötigt wird, sondern die nun vollständig digitalisierten Sprachpakete über die Datenleitung eines bereits vorhandenen Internetanschlusses zwischen den Gesprächspartnern transportiert werden. Doch ist das schon alles? Wir haben zusammengetragen, was man über die ISDN-Abschaltung auf jeden Fall wissen sollte!
  • Telefonanschlüsse am Router
    © salita2010 | Die gute Nachricht zuerst: Durch die ISDN-Abschaltung kommen in der Regel keine neuen Ausgaben auf die Haushalte zu. Denn die meisten aktuellen Router halten passende Anschlüsse bereit, um das alte Telefon auch ohne Splitter direkt einzubinden. Sollten diese fehlen, bieten die meisten Provider passend ausgestattete Leihgeräte an.
  • Alte Rufnummern behalten
    © Ralf Geithe | Die eigene Telefonnummer wächst schnell zu einem persönlichen Identitätsmerkmal heran. Daher wird sie nur ungern zugunsten einer neuen aufgegeben. Die ISDN-Abschaltung gibt sich in dieser Beziehung unkompliziert. Immerhin lassen sich alle Nummer, die mit dem Anschluss genutzt wurden, übertragen. Auch Komforteinstellungen lassen sich über den Router weiter betreiben.
  • Bandbreite für Office-Telefonate
    © Brian Jackson | Mit 100 kbit/s für ein akustisch einwandfreies Gespräch ist der Datendurchsatz zum Telefonieren per VoIP nicht sehr belastend. Mit einem veralteten DSL-Anschluss wie DSL 2000 kann es dennoch schnell knapp werden, wenn nebenbei noch Computer oder Smart TV laufen. Kleinere Firmen setzten ohnehin wenigstens auf 16 MBit/s, damit auch garantiert alle Dienstgespräche durchgehen.
  • Nicht auflegen wegen mangelnder Bandbreite
    © Africa Studio | Kein Anschluss unter dieser Nummer: Sollte das Telefonieren per VoIP aufgrund mangelnder Bandbreite scheitern, sind Maßnahmen zu treffen. Zunächst stellt sich die Frage, ob die Umstellung auf einen anderen Tarif oder ein Wechsel des Providers lohnenswert erscheint. Andererseits lässt sich der Datenfluss reduzieren, indem Telefonfunktionen an spezialisierte Cloud-Dienste ausgelagert werden.
  • Telefonieren ohne Telefon
    © Brian Jackson | Wer gänzlich auf das gute alte Telefon verzichten kann, kommuniziert direkt mit Hilfe von Computer und Tablet, und zwar mittels der gewohnten Festnetznummer! Webdienste bieten die Möglichkeit, gleich mehrere Nummern online zu registrieren und die Kosten auf die eigenen Telefongewohnheiten abzustimmen. Die ISDN-Abschaltung muss also nicht zwingend das Ende des Komforts bedeuten.
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