Gemütliche Hängelampen: Selber bauen statt fertig kaufen

Hängelampen aus Marmeladengläsern
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Der Kauf von Einrichtungsgegenständen bedeutet zwar immer die Qual der Wahl. Aber bei Hängelampen kann man schon von einem handfesten Problem sprechen: Wo es Möbel immerhin „nur“ in der Masse der Einrichtungshäuser gibt, kommen bei Lampen noch ungezählte Baumärkte und andere Geschäfte als Bezugsquelle hinzu. So ist nicht nur die Design-Vielfalt sprichwörtlich grenzenlos. Den persönlichen Geschmack kann auch der folgende Artikel nicht ersetzen. Aber er wird zumindest helfen, die Preise zu drücken – mit Lampen, die wirklich einzigartig sind. Denn hier lernst Du, wie Du gemütliche Hängelampen selber bauen kannst!

1. Schritt: Das Design überlegen

Beginnen muss auch dieses Projekt damit, dass man sich über das gewünschte Design klar wird. Glücklicherweise kommt einem hier die heutige Glühlampenwelt dank LED-Technik deutlich entgegenkommt. Anders als klassische Glühbirnen wird die LED nur handwarm macht deshalb bei Schirmen und Co. mehr Freiheiten bei der Materialwahl möglich. Gute Anlaufstellen für Designs:

  • die Pinterest-Community
  • die Google-Bildersuche
  • Musterhaus-Parks
  • große Einrichtungshäuser

Sowie natürlich die eigene Kreativität! Da nur einige wenige obligatorische Bauteile berücksichtigt werden müssen, bleibt dabei viel Raum für Ideen. So lassen sich z.B. Alltagsgegenstände als Baumaterial miteinbeziehen. Einige Denkanstöße:

  • Einmachgläser sowie Glasflaschen aller Art
  • metallische Küchenutensilien, etwa Siebe und Schüsseln, gerne auch emailliert
  • halbkreis- bzw. lampenschirmförmige Einrichtungsgegenstände, etwa ein (halbierter) Globus, (Draht-)Körbe, Vasen
  • Windlichter und ähnliche Kerzenbehältnisse

Das alles wären Ideen für improvisierte Lampenschirme. Im Industrial Design beispielsweise gibt es aber auch hochattraktive Hängelampen ohne Schirm. Da werden Fassungen und Leuchtmittel an einem optisch ansprechenden Unterbau befestigt – etwa einem Geflecht aus brünierten/ lackierten Metall-Wasserrohren. Für den Rest dieser Anleitung nehmen wir als Beispiel die beliebte und simple Einmachglas-Pendelleuchte.

2. Schritt: Das Material besorgen

  • DIY-Leuchten aus Küchenschüsseln
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    © pepe nero - unsplash.com | Der günstigere Weg zur Erleuchtung: DIY-Hängelampen brauchen nur etwas Kreativität – und manchmal ein paar…
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Hängelampen selber zu bauen, ist keine hohe DIY-Kunst. Der große Vorteil besteht darin, dass man sich auf vorgefertigte elektrische Bauteile stützen kann. Für eine einzelne Einmachglas-Pendelleuchte benötigt man folgendes:

  • ein Einmachglas mit mindestens 1000 ml Inhalt
  • eine E27-Schraubfassung
  • ein Leuchtenaufhänger mit Öse – eine Kabelklemme, an der die Lampe an der Decke hängen wird; bei leichten Lampen bis ca. 1 kg ist keine zusätzliche Aufhängung vonnöten
  • bei einer metallischen Fassung ein dreiadriges Kabel, bei einer Fassung aus nichtleitendem Material ein zweiadriges Kabel (solche Fassungen müssen nicht an den Schutzleiter angeschlossen werden); für einzelne Lampen reicht ein Leitungsquerschnitt von 0,75mm² aus. Tipp: Mittlerweile gibt es schöne, stoffummantelte Kabel, auch geflochten.
  • ein Glasbohrer, der dem Außendurchmesser des Kabels plus 2 mm entspricht
  • eine passende Gummitülle (Kabeldurchführung), deren innerer Lochdurchmesser dem Außendurchmesser des Kabels entspricht
  • ein Kabel-Baldachin für die Decke
  • ein LED-Leuchtmittel, das die Optik der alten Edison-Glühlampen nachahmt, wie etwa zu finden auf Watterie.de

An Werkzeug braucht es dann nur noch die „üblichen Verdächtigen“: zweipoliger Spannungsprüfer, Schraubendreher, Wasserwaage, Bohrmaschine.

3. Schritt: Den Schirm durchbohren

Es gibt bei den Einmachglas-Leuchten viele Designs, bei denen das Glas „richtig herum“ hängt, also der Deckel durchbohrt wird, welcher dann mit dem durchgeführten Kabel als Halterung fungiert. Natürlich ließe sich dieses Verfahren leicht nachahmen. Aber um die Restwärme der LEDs abzuführen, ist es sinnvoller, das Glas kopfüber ohne Deckel aufzuhängen.

Dazu ist es zunächst notwendig, die Mitte des Glasbodens zu bestimmen. Hier haben viele Einmachgläser einen Bonus, der es dem Heimwerker leicht macht: Der Boden ist leicht konkav, also nach innen gewölbt. So geht es dann spielend leicht:

  1. Mit der Wasserwaage die Arbeitsunterlage exakt waagerecht ausrichten – und zwar so, dass sich an der Ausrichtung nichts mehr ändern kann. Tipp: Ein stabiles MDF-Reststück als „Arbeitsplatte“ in den Schraubstock einklemmen, so dass es sich perfekt waagerecht justieren lässt.
  2. Das Einmachglas kopfüber auf diese Unterlage stellen.
  3. Mittels einer Spritze einen Tropfen Spülmittel-Wasser oder Öl auf die Außenseite des Glasbodens applizieren. Weil dieser konkav ist und das Glas genau waagerecht steht, wird er automatisch genau in die Glasbodenmitte laufen.
  4. Schutzbrille und Einweg-Staubschutzmaske anziehen.
  5. Glasbohrer einspannen, mit mittlerer Drehzahl vorsichtig das Loch anbohren.
  6. Weiterbohren. Dabei mit der Spritze immer wieder frisches Wasser/ Öl in die Bohrzone applizieren, um zu verhindern, dass Bohrer und Glas zu heiß werden. Zum Ende hin die Drehzahl reduzieren und ohne Druck arbeiten, damit auf der Innenseite kein Glas abspringt.

Insgesamt gilt: Je langsamer und vorsichtiger man arbeitet, desto geringer das Risiko, das Glas zu beschädigen.

Ist das Loch fertig, reinigt man je nach verwendetem Kühlmittel das Glas mit Wasser oder Bremsenreiniger. Danach kann bereits die Gummitülle in das Loch gesteckt werden. Sie verhindert, dass die harten Kanten des Bohrlochs dem Lampenkabel auf Dauer schaden können.

4. Schritt: Die Fassung anschließen

Nun wird es Zeit, die Lampenfassung anzuschließen. Zunächst isoliert man dazu das Kabel ab. Bei Stoffkabeln sollte man die Stoffummantelung in einem Einzelschritt mit einem Cuttermesser entfernen und die Enden kurz mit einem Feuerzeug verschmelzen, damit sie nicht ausfasern.

Die einzelnen Leiter sollten auf zirka 10 mm Länge abisoliert werden. Dann die Enden verdrehen und Aderendhülsen aufcrimpen. Nun wird das Kabel von hinten in die (noch zerlegte) Fassung geführt. Wichtig ist dann ein Blick auf die Kontakte der Fassung und die Farbe der einzelnen Leiter:

Der Kontakt, der die Mitte des Leuchtmittel-Fußes berührt, wird mit dem braunen/ schwarzen, geschalteten Außenleiter verbunden, der seitliche Sockelkontakt mit dem blauen Neutralleiter!

Bei einer metallischen Fassung wird dazu noch eine dritte Anschlussklemme vorhanden sein, die mit dem gelb-grünen Erdungsleiter zu verbinden ist. Dann muss nur noch die Kabelzugentlastung, oft eine Madenschraube, zugedreht werden und der Lampensockel kann zusammengebaut werden. Die allermeisten Exemplare sind bloß geschraubt.

5. Schritt: Lampe zusammensetzen

  • LEDs imitieren Glühlampen
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    © Michael Fousert - unsplash.com | Fast wie in alten Zeiten: Dank LEDs kann man den Charme der Edison-Glühlampe auf energiesparende Weise…
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Nun werden der Lampenschirm und der verkabelte Sockel „verheiratet“. Dazu schiebt man einfach das noch freie Kabelende von innen durch die Bohrung und zieht es bis zum Anschlag durch.

Dann folgt ein Prüfdurchgang: Die Lampe am Kabel vors Gesicht halten und drehen. Durch Produktionsschwankungen bei der Glasherstellung kann es sein, dass das Einmachglas etwas schief hängt, obwohl die Bohrung genau mittig ist. In diesem Fall sollte man dickere Kunststoff-Unterlegscheiben etwas schräg abschleifen und zwischen Glas und Fassung auf das Kabel auffädeln. So wird eine mögliche Schieflage wieder ausgeglichen.

6. Lampe aufhängen und anschließen

  • Selbstgemachte Hängelampen aus Einmachgläsern
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    © Bonnie Kittle - unsplash.com | Einmachgläser gehören zu den beliebtesten Komponenten für selbstgemachte Hängelampen. Aber es gibt viele…
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Zuletzt muss das Werk nur noch an die Decke gebracht werden. Dazu Sicherung des betreffenden Anschlusses abschalten, einen Haken eindrehen (falls noch keiner vorhanden ist, zuvor mit einem Leitungsprüfer die Decke kontrollieren) und dann den Baldachin aufs Kabel fädeln.

Nun kommt der Leuchtenaufhänger zum Einsatz: Man führt das Kabel durch, justiert die Höhe und dreht dann die Klemmschrauben fest. Dann muss die Lampe nur noch korrekt angeschlossen werden. Nach dem Hochschieben und Fixieren des Baldachins kann das Leuchtmittel eingedreht und die Sicherung wieder eingeschaltet werden.

Auch wenn dies ein Beispiel für die Einmachglas-Lampe war, geht man im Prinzip bei allen selbstgebauten Lampen-Konstruktionen ganz ähnlich vor. Selbst wenn sie sich im Design teils mächtig unterscheiden, ist das Bau- und Anschlussprozedere immer gleich.

Der Kauf von Einrichtungsgegenständen bedeutet zwar immer die Qual der Wahl. Aber bei Hängelampen kann man schon von einem handfesten Problem sprechen: Wo es Möbel immerhin „nur“ in der Masse der Einrichtungshäuser gibt, kommen bei Lampen noch ungezählte Baumärkte und andere Geschäfte als Bezugsquelle hinzu. So ist nicht nur die Design-Vielfalt sprichwörtlich grenzenlos. Den persönlichen Geschmack kann auch der folgende Artikel nicht ersetzen. Aber er wird zumindest helfen, die Preise zu drücken – mit Lampen, die wirklich einzigartig sind. Denn hier lernst Du, wie Du gemütliche Hängelampen selber bauen kannst!
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    © Bonnie Kittle - unsplash.com | Einmachgläser gehören zu den beliebtesten Komponenten für selbstgemachte Hängelampen. Aber es gibt viele weitere spannende Ideen!
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