Urban Gardening – Stadtmensch trifft Natur

Dicht bepflanzter Balkon in der Stadt
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Aktualisiert am 28.11.2017
Früher, in den Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts, galt es als Ausdruck praktizierten zivilen Ungehorsams, wenn verwahrloste Flächen im öffentlichen Raum durch Bürger mit Blumen oder anderen Pflanzen aufgehübscht wurden. Die Zeiten haben sich geändert, doch das Prinzip funktioniert auch heute noch. Neudeutsch nennt sich das dann Urban Gardening. Der Trend, öffentliche Flächen auf eigene Initiative zu verschönern, erfährt gerade neuen Auftrieb, was auch mit einem veränderten Umweltbewusstein in der Stadt einher geht. Und selbst die Kommunen versuchen, auf den Zug aufzuspringen. Wir zeigen hier im Überblick, wohin sich der Trend des Urban Gardening entwickelt.

Von der Bewegung zum Trend

  • Eigenwillig begrünte Baumscheibe
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    © philipk76 | Früher ein beliebtes Ziel ungenehmigter Gartenkunst, heute sogar schon Mietobjekt: Baumscheiben waren in der Betonwüste der…
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Die meisten Städter sucher ihr Heil heutzutage am Stadtrand, wenn sie sich als Gärtner verwirklichen wollen (siehe unseren Artikel Urbanes Gärtnern – Das neue Miteinander). Doch auch in der City tun sich inzwischen verstärkt neue Möglichkeiten auf. Mitverantwortlich dafür ist nicht zuletzt die Bewegung des Urban Gardening. Deren Vertreter nutzen jeden noch so kleinen Grünstreifen in der Betonwüste der Stadt, um etwas zu pflanzen und die Straßen bunter zu machen. Vorher gefragt wird dabei jedoch nur selten.

Doch der Trend zum Urban Gardening, das in den Anfängen als eine Art grüner Punk angesehen werden konnte, wird mittlerweile auch von offizieller Seite gefördert. Ziel ist es, das Potential des Trends zur gezielten Stadtverschönerung zu nutzen. Viele Stadtverwaltungen vergeben inzwischen Baumpatenschaften an interessierte Bürger, die zur Verbesserung ihres Wohnumfeldes beitragen möchten. So dürfen um Baumscheiben herum Blumen- oder Kräuterrabatten angelegt werden, die dann durchaus auch gelegentlich etwas größer ausfallen können. Wer keinen eigenen Garten hat, wird diese Möglichkeit zu schätzen wissen.

Bewusstsein im Wandel

  • Überfüllter Balkon in der Stadt
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    © Franz Peter Rudolf | Für Gartenfreunde bleibt in der Stadt meist nur der Balkon, um etwas zu pflanzen. Dort kann es aber je nach…
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Die vermehrte Hinwendung zum Prinzip des Urban Gardening geht auch mit einem neuen Bewusstein einher. Dr. Philipp Stierand, Autor des bekannten Sachbuchs „Speiseräume“ schreibt in seinem Blog dazu Folgendes: „Stadt und Ernährung sind zwei Begriffe, deren enge Verbindung sich in den letzten 100 Jahren aufgelöst zu haben scheint. Mit den Kuh- und Ziegenställen, den Küchengärten und den Schlachtbänken ist auch das Thema Ernährung aus den Städten verschwunden. Lebensmittel kommen vom Land, Ernährungspolitik wird irgendwo gemacht.

Die Verunsicherung der Verbraucher durch eine lange Reihe von Lebensmittelskandalen, die Diskussionen um den Klimawandel, sich verschärfende Umweltprobleme und die Volkskrankheit Fettsucht ändern dies gerade. Es werden neue Anforderungen an die Lebensmittelversorgung formuliert: Vertrauen, Nachhaltigkeit, Gesundheit und Fairness. Mit diesen neuen Herausforderungen kehrt die Ernährungspolitik auf die städtische Ebene zurück.“

Soziales Gärtnern in der Stadt

  • Gründach mit Gemüse in urbanem Umfeld
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    © alisonhancock | Eine andere beliebte Ausweichmöglichkeit für Grünpflanzungen in der Stadt sind natürlich die Dächer. Hier breiten sich…
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Neue Ausdrucksformen des Urban Gardening setzen inzwischen mehr auf soziales Miteinander. Einschlägige Suche-/Biete-Anzeigen kennt wohl jeder aus dem Anzeigenteil seiner Regionalzeitung. Oder es werden Gartenpaten gesucht bzw. eine Erntebeteiligung gegen Muskelhypothek angeboten. Das liest sich dann mitunter so, wie wir es auf dem Portal der Gartenpaten entdeckt haben: „Wir suchen einen kleinen Garten oder auch Teil eines Schrebergartens für die Selbstversorgung und Freizeit. Gegenseitige Unterstützung wird geboten.“ Um die 200 solcher Angebote sind hier eingetragen, die Menschen aus verschiedenen Generationen sowie unterschiedlicher Herkunft zusammenbringen.

Dennoch wäre ein solches Projekt immer der mit Abstand flächenmäßig kleinste Vertreter der urbanen Gemeinschaftsgärten. Wer es eine Nummer größer mag, findet viele wertvolle Informationen auf dem Onlineportal der Anstiftung. In der aktuellen und sehr informativen Datenbank sind deutschlandweit knapp 600 Gemeinschafts- bzw. interkulturelle Gärten aufgeführt, in denen sich Interessenten und passionierte Gärtner mit ihrem Wissen einbringen und sich mit ihrer Arbeitskraft engagieren können.

Fazit

Das Phänomen Urban Gardening hat sich längst von seinen Ursprüngen emanzipiert. Es geht nicht mehr vordergründig darum, durch ungefragtes Bepflanzen verwahrloster Grünflächen eine Form des ökologischen Protestes zu äußern. Vielmehr soll erreicht werden, den Einklang von Stadt und Natur ganz bewusst wieder neu anzuregen. Da spielen inzwischen auch die Stadtverwaltungen gerne mit.

Allerdings sollten Grundstückseigentümer bzw. Kommunen rechtzeitig in die Pläne eingeweiht werden, wenn solche Anpflanzungen zur Aufwertung öffentlicher Flächen geplant sind. Sonst kann es schon einmal zu Missverständnissen kommen. Und es wäre doch schade, wenn die vielen kleinen Gartenkunstwerke in der Stadt aufgrund von Rechtsstreitigkeiten wieder verschwinden müssten. 

Früher, in den Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts, galt es als Ausdruck praktizierten zivilen Ungehorsams, wenn verwahrloste Flächen im öffentlichen Raum durch Bürger mit Blumen oder anderen Pflanzen aufgehübscht wurden. Die Zeiten haben sich geändert, doch das Prinzip funktioniert auch heute noch. Neudeutsch nennt sich das dann Urban Gardening. Der Trend, öffentliche Flächen auf eigene Initiative zu verschönern, erfährt gerade neuen Auftrieb, was auch mit einem veränderten Umweltbewusstein in der Stadt einher geht. Und selbst die Kommunen versuchen, auf den Zug aufzuspringen. Wir zeigen hier im Überblick, wohin sich der Trend des Urban Gardening entwickelt.
  • Eigenwillig begrünte Baumscheibe
    © philipk76 | Früher ein beliebtes Ziel ungenehmigter Gartenkunst, heute sogar schon Mietobjekt: Baumscheiben waren in der Betonwüste der Stadt schon immer ein Brennpunkt für Urban Gardening. Inzwischen gehen Gemeinden dazu über, die Plätze geplant zur Bepflanzung freizugeben. Die Ausgestaltung der Baumscheiben kann dabei schon einmal ein fast zu gut gemeintes Erscheinungsbild annehmen.
  • Überfüllter Balkon in der Stadt
    © Franz Peter Rudolf | Für Gartenfreunde bleibt in der Stadt meist nur der Balkon, um etwas zu pflanzen. Dort kann es aber je nach Motivation auch schnell eng werden. Urban Gardening setzt sich als Trend mit den Möglichkeiten auseinander, alternativen Platz in der Stadt für das Setzen von Blumen und für den Anbau von Gemüse zu gewinnen. Damit einher geht ein verändertes ökologisches Bewusstsein.
  • Gründach mit Gemüse in urbanem Umfeld
    © alisonhancock | Eine andere beliebte Ausweichmöglichkeit für Grünpflanzungen in der Stadt sind natürlich die Dächer. Hier breiten sich zunehmend intensiv gepflegte Gartenanlagen aus, in denen sich teils ganze Gemüsefelder finden. Das gibt auch Städtern die Möglichkeit, sich entgegen bestehender Strukturen wieder mehr selbst zu versorgen und dabei zudem Entspannung in der Gartenarbeit zu suchen.
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