Naturdämmstoffe im Überblick

Natürlicher Dämmstoff: Hanfmatten
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Aktualisiert am 09.11.2017
Die Nachfrage nach ökologisch hochwertigen Baumaterialien steigt unablässig. Und das nicht nur der Umwelt zuliebe, sondern auch, weil sich Bauherren von ihnen ein gehöriges Mehr an Wohngesundheit versprechen. Dennoch darf eine Frage dabei nicht ausgespart werden: Was leisten Naturdämmstoffe eigentlich? Lassen sie sich so ohne Weiteres als Ersatz für konventionelle Dämmstoffe einsetzen? Und welche Materialen sind im Moment besonders beliebt? Klar, dass hier Antworten gefragt sind. Deshalb präsentieren wir nun die aktuell gängigen Naturdämmstoffe im Überblick!

Der Reiz des Natürlichen

  • Trittschalldämmung aus Kork
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    © Jürgen Fälchle | Ein Paradebeispiel für Naturdämmstoffe liefert das Material Kork. Es ist belastbar und besitzt akustisch eine sehr gute…
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Der Gedanke, Klima und Umwelt durch den verstärkten Einsatz nachhaltiger Dämmmaterialien zu schonen, setzt sich erfreulicherweise bei Hausbesitzern, aber auch bei angehenden Bauherren der neuen Generation immer mehr durch. Diesem Trend folgend, scheint die Vielfalt an natürlichen Dämmstoffen immer größer zu werden.

Doch der ökologische Aspekt kann nach wie vor natürlich nicht das einzige Kriterium sein. Selbstverständlich müssen auch eine Reihe bauphysikalischer Eigenschaften wie Wärmespeicherkapazität, Wasserdampfdiffusionswiderstand, Dichte und Wärmeleitfähigkeit mit in die Entscheidung einbezogen werden. Es gibt also bei der Planung einiges zu bedenken. Aber welche Vorteile bringen eigentlich die Naturdämmstoffe, außer dass der Häuslebauer sein Gewissen gegenüber der Umwelt und ganz im Sinne der Nachhaltigkeit beruhigt?

Aktuell gängige Dämmstoffe

Bevor wir uns den Naturdämmstoffen genauer zuwenden, soll erst einmal etwas Übersicht geschaffen werden. Daher stellen wir eine Tabelle voran, in der die derzeit üblichsten Dämmmaterialien vertreten sind, inkl. ihrer Eigenschaften. So lassen sich die natürlichen Dämmmaterialien besser in das große Feld der Dämmstoffe einordnen:

Dämmstoff

Wärmeleitfähigkeit (W/mK)

Baustoffklasse

Flachsmatten

0,036 - 0,040

B2

Hanfmatten

0,040 - 0,050

B2

Holzfaserdämmplatten

0,040 - 0,052

B2

Holzfaser-Einblasdämmung

0,040

B2

Korkplatten

0,040

B2

Schafwollematten

0,0326 - 0,040

B2

Zelluloseplatten

0,040

B2

Zellulose-Einblasdämmung

0,040

B2

Polystyrol-Hartschaumplatten (EPS)

0,032 - 0,040

B1, B2

Extrudierte Polystyrol-Hartschaum-Platten (XPS)

0,035 - 0,045

B1

Glaswollerollen

0,032 - 0,040

A1

Steinwollerollen

0,035 - 0,048

A1, A2

Polyurethan-Platten (PUR)

0,020 - 0,025

B1, B2

Schaumglas-Platten

0,040 - 0,060

A1

Vakuumpaneele

0,007 - 0,008

B2

Zur Erklärung der aufgeführten Zahlenangaben und Baustoffklassen:

  • je geringer der Wert für die Wärmeleitfähigkeit, desto besser dämmt das Material
  • A1: nicht entflammbar; A2: kleinere Mengen entflammbarer Bestandteile enthalten; B1: schwer entflammbares Material; B2: normal entflammbar

Quellen: FNR - Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. sowie effizienzhaus-online.de

Mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift "Der Bauherr", Compact Publishing GmbH, Hackerbrücke 6, 80335 München https://www.derbauherr.de/, Autorin: Stefanie Hutschenreuter

Die Vorzüge von Naturdämmstoffen

  • Zellulosefasern für die Einblastechnik
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    © Ingo Bartussek | Ebenfalls wertvoll als natürlicher Dämmstoff ist Zellulose. Hier überzeugt vor allem die Technik: Per Einblas-Verfahren…
  • Zellulosedämmung im Dachbereich
    © diybook | Zellulose bietet im Sommer einen ausgezeichneten Wärmeschutz, weshalb sie gerne im Dachbereich zum Einsatz kommt. Dank…
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Doch welche Vorzüge sind es nun konkret, die Naturdämmstoffe hervorstechen lassen und sie immer beliebter machen? Die wichtigsten Eigenschaften lassen sich in vier Punkten zusammenfassen:

  • Die meisten Naturdämmstoffe sind Produkte heimischer landwirtschaftlicher Erzeuger und Forstbetriebe und sind als solche nicht auf übermäßig lange Transportwege angewiesen.
  • Die quasi nachwachsenden Naturdämmstoffe regulieren Luftfeuchtigkeit und Raumtemperaturen oft besser als die industriell gefertigten Materialien auf mineralischer Basis.
  • Natürliche Dämmmaterialien sorgen gleichsam für Kälteisolierung und Hitzeschutz und haben ausgezeichnete Eigenschaften bezüglich des Schallschutzes in Wohngebäuden.
  • Ihre Schadstofffreiheit gewährleistet neben einem besonders hohen Wohnkomfort ein sehr angenehmes Wohnraumklima im Haus.

Und die Nachteile?

  • Dämmschicht aus Schafwolle
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    © diybook | Wie alle Naturdämmstoffe besitzt auch Schafwolle einen im Vergleich zu synthetischen Dämmstoffen höheren Wärmeleitwert. Daher…
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Wo viel Licht ist, gibt es auch Schatten – so auch bei Naturdämmstoffen. So lassen sich vier wesentliche Faktoren anführen, die beschreiben, warum konventionelle Dämmstoffe auch in Zukunft noch nicht obsolet sind: 

  • Zumindest aktuell verursachen viele Naturdämmstoffe noch höhere Kosten bei der Anschaffung als die traditionellen Dämmmaterialien.
  • Da ihre Wärmeleitfähigkeit naturbedingt recht hoch ist, erfordern Naturdämmstoffe oft dickere Materialstärken.
  • Da sie aus natürlichen Materialien bestehen, sind natürliche Dämmstoffe der Baustoffklasse B2 zugeordnet und damit normal entflammbar.
  • Nicht jeder wohngesunde Rohstoff aus der Natur eignet sich für sämtliche Dämmmaßnahmen, von daher ist eine sorgfältige Auswahl besonders wichtig.

Eigenschaften der Naturdämmstoffe

Bevor wir einige der wichtigsten Naturdämmstoffe im Porträt genauer vorstellen, wollen wir noch einmal einen Blick auf die spezifischen Eigenschaften dieser Art von Dämmmaterial werfen. So lässt sich schneller beurteilen, welcher Dämmstoff für die eigenen Anforderungen infrage kommt:

Material

Rohdichte kg/m3

Spez. Wärmekapazität C (J/kgK)

Dampfdiffusions-
widerstand

Baumwolle

20 - 60

840 - 1.300

1 - 2

Blähton

350 - 700

1.000

2 - 8

Flachs

30 - 60

1.600

1 - 2

Holzfaserplatten

140 - 180

2.100

2 - 5

Hanfmatten

30 - 42

1.600

1 - 2

Holzwolle-Leichtbauplatten

360

2.100

2 - 5

Kokosfaser

75 - 125

1.700

1

Kokosschüttung/-platten

70 - 160

1.800

1 - 2 / 5 - 10

Perlite

80 - 180

1.000

3

Schafwolle

30 - 90

1.720

1 - 5

Schaumglas

100 - 165

1.000

diffusionsdicht

Schilf

145 - 220

1.200

2 - 5

Vermiculit (Blähglimmer)

79 - 90

800 - 1.000

1 - 4

zum Vergleich:

 

 

 

Mineralwolle / Glaswolle

15 - 80

1.000

1

Polystyrol / EPS-Platte

11 - 30

1.400

30 - 100

 

Wärmekapazität: Ein hoher Wert bedeutet eine hohe Wärmespeicherfähigkeit.

Rohdichte: Eine geringe Rohdichte bedeutet ein hohes Hohlraumvolumen und damit eine bessere Wärmedämmung.

Dampfdiffusionswiderstand: Je kleiner die Zahl, desto leichter kann Wasserdampf den Dämmstoff durchdringen.

 

Mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift "Der Bauherr", Compact Publishing GmbH, Hackerbrücke 6, 80335 München, https://www.derbauherr.de/, Autorin: Stefanie Hutschenreuter

Wichtige Naturdämmstoffe im Überblick

  • Dämmplatten aus Holzfasern
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    © Kara | Das derzeit führende natürliche Dämmmaterial bilden Holzfasern. Sie bieten einen ausgezeichneten sommerlichen Hitzeschutz und sind…
  • Flachsfasern als Rohmaterial
    © Gerhard Seybert | Auch Flachs wird gerne im Dachbereich als Dämmung eingesetzt. Es eignet sich außerdem gut zur Trittschalldämmung. Wie…
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Flachs: Der Einsatz der fast ausschließlich in Deutschland gefertigten Matten erfolgt an Dächern und innerhalb von Geschossdecken. Die Filze eignen sich darüber hinaus hervorragend als Trittschalldämmung. Flachs benötigt jedoch den Zusatz von Binde- und Stützfasern. Darüber hinaus müssen Brandschutzmittel integriert werden.

Blähton: Wird vorrangig zur Dämmung von Balkendecken und schwer zugänglichen Hohlräumen verwendet. Als Rohmaterial dient einheimischer Ton, der unter hohen Temperaturen aufgebläht und später als Schüttung verwendet wird. Blähton ist zwar vom Preis her vergleichsweise günstig, allerdings bei nur mäßigen Dämmwerten.

Baumwolle: Die umweltfreundlichen Matten eignen sich ausgezeichnet zur Dämmung im Dachbereich sowie zum einfachen Stopfen von Baufugen an Türen und Fenstern. Die zerkleinerten Pflanzenfasern werden herstellerseitig gegen Schimmelbildung sowie zur Verbesserung ihrer brandschutztechnischen Eigenschaften imprägniert.

Schilf: Das im europäischen Raum prächtig gedeihende Dämmmaterial wird mithilfe von Geflechten aus Draht und Kunstfasern zu Platten verarbeitet, die hauptsächlich in Außenwänden und Decken verbaut werden. Chemische oder andere künstliche Zusätze sind beim Dämmstoff Schilfrohr nicht erforderlich.

  • Dämmmatten aus Hanf
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    © diybook | Wie beim Flachs sind auch die Matten aus Hanf zumeist mit Stützfasern aus synthetischem Polyester versetzt. Das macht das…
  • Geschorene Schafwolle als Rohmaterial
    © diybook | Schafwolle ist das einzige Material unter den Naturdämmstoffen, das auf tierischen Fasern basiert. Die Vorteile liegen auf der…
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Schaumglas: Die Herstellung erfolgt aus einheimischem Altglas und einem Zusatz von Quarzsand. Dieses Gemisch wird aufgeschäumt und zu nichtbrennbaren Platten weiterverarbeitet. Haupteinsatzgebiet am Bau sind Böden, der erdnahe Bereich sowie die Dachabdichtung.

Hanf: Auch für die im Baustoffhandel erhältlichen Hanfmatten sind Zusätze für die Stabilität erforderlich. Verwendet wird neben Polyesterfasern auch heimische Maisstärke, die den Einsatz von Hanf zur Dämmung von Decken, Wänden, Dächern aber auch als Trittschalldämmung ermöglicht.

Kokos: Diese Naturfasern lassen sich ausgezeichnet zu Matten, Filzen und sogar Platten verarbeiten. Neben dem Wärmeschutz in Dächern, Decken und Wänden eignet sich Kokos als sehr wirksamer Schallschutz. Zu Stopfwolle verarbeitet, werden die Fasern darüber hinaus zur Fugendämmung an Fenstern und Türen benutzt.

Schafwolle: Das derzeit einzige Dämmmaterial, das mithilfe von tierischen Fasern produziert wird! Die Matten sind in der Lage, bis zu einem Drittel ihres Gewichts an Raumfeuchtigkeit aufzunehmen und eignen sich damit selbst für die Außendämmung von Fassaden sehr gut. Darüber hinaus wird Schafwolle für die Innendämmung von Raumdecken und oberhalb der Bodenplatte genutzt. Ein ganz besonderer Vorteil dieses Naturdämmstoffs besteht darin, dass er ohne größeren Energieeinsatz produziert werden kann und wie von selbst nachwächst.

Fazit

Aufgrund der Tatsache, dass immer mehr nachwachsende Rohstoffe als Dämmmaterial auf den Markt drängen, bietet sich den Verbrauchern inzwischen eine große Palette an Naturdämmstoffen. Da diese im einzelnen sehr unterschiedliche Eigenschaften mitbringen, ist bei der Auswahl aber tunlichst auf den Verwendungszweck zu achten. Eines haben die Naturdämmstoffe aber alle gemeinsam: Sie bieten eine echte Alternative in Sachen Raumklima und Wohngesundheit!

Das heißt im Umkehrschluss jedoch nicht, dass jeder Naturdämmstoff ein Produkt auf rein ökologischer Basis ist. Denn viele der natürlichen Materialien sind auf künstliche Bindemittel und Brandhemmer angewiesen. Hier ist gegebenenfalls auf die genauen Zusatzstoffe des Produkts zu achten. Umweltbewusste Heimwerker behalten die Naturdämmstoffe jedenfalls im Auge; denn sie sind nicht nur umweltschonend, sondern auch leicht zu verarbeiten!

Die Nachfrage nach ökologisch hochwertigen Baumaterialien steigt unablässig. Und das nicht nur der Umwelt zuliebe, sondern auch, weil sich Bauherren von ihnen ein gehöriges Mehr an Wohngesundheit versprechen. Dennoch darf eine Frage dabei nicht ausgespart werden: Was leisten Naturdämmstoffe eigentlich? Lassen sie sich so ohne Weiteres als Ersatz für konventionelle Dämmstoffe einsetzen? Und welche Materialen sind im Moment besonders beliebt? Klar, dass hier Antworten gefragt sind. Deshalb präsentieren wir nun die aktuell gängigen Naturdämmstoffe im Überblick!
  • Trittschalldämmung aus Kork
    © Jürgen Fälchle | Ein Paradebeispiel für Naturdämmstoffe liefert das Material Kork. Es ist belastbar und besitzt akustisch eine sehr gute Dämpfung, so dass es gerne als Trittschalldämmung eingesetzt wird. Nachteil für die Ökobilanz: Kork ist nur in Südeuropa heimisch, so dass sich die Lieferwege vergrößern.
  • Zellulosefasern für die Einblastechnik
    © Ingo Bartussek | Ebenfalls wertvoll als natürlicher Dämmstoff ist Zellulose. Hier überzeugt vor allem die Technik: Per Einblas-Verfahren lassen sich die Fasern selbst in bereits stehende Schalungen als Kerndämmung einbringen, was Zellulose auch bei Sanierungen interessant macht.
  • Zellulosedämmung im Dachbereich
    © diybook | Zellulose bietet im Sommer einen ausgezeichneten Wärmeschutz, weshalb sie gerne im Dachbereich zum Einsatz kommt. Dank Einblastechnik bildet die Zellulose dabei eine fugenlose Dämmschicht aus.
  • Dämmschicht aus Schafwolle
    © diybook | Wie alle Naturdämmstoffe besitzt auch Schafwolle einen im Vergleich zu synthetischen Dämmstoffen höheren Wärmeleitwert. Daher sind bei natürlichen Dämmmaterialien grundsätzliche dickere Schichtstärken anzuvisieren.
  • Dämmplatten aus Holzfasern
    © Kara | Das derzeit führende natürliche Dämmmaterial bilden Holzfasern. Sie bieten einen ausgezeichneten sommerlichen Hitzeschutz und sind zudem besonders ökologisch, da seine keine zusätzlichen Bindemittel erfordern. Heimwerker kommen mit Holzfaserplatten sehr gut zurecht.
  • Flachsfasern als Rohmaterial
    © Gerhard Seybert | Auch Flachs wird gerne im Dachbereich als Dämmung eingesetzt. Es eignet sich außerdem gut zur Trittschalldämmung. Wie alle natürlichen Dämmstoffe hat Flachs jedoch in Sachen Brandschutz das Nachsehen gegenüber mineralischen und synthetischen Dämmstoffen.
  • Dämmmatten aus Hanf
    © diybook | Wie beim Flachs sind auch die Matten aus Hanf zumeist mit Stützfasern aus synthetischem Polyester versetzt. Das macht das Material zugleich jedoch auch besonders angenehm in der Verarbeitung. Seine Stärken spielt Hanf vor allem im Schallschutz aus.
  • Geschorene Schafwolle als Rohmaterial
    © diybook | Schafwolle ist das einzige Material unter den Naturdämmstoffen, das auf tierischen Fasern basiert. Die Vorteile liegen auf der Hand: Neben ihren natürlichen Dämmeigenschaften punktet Schafwolle vor allem dadurch, dass sie auch bei erhöhter Feuchtigkeitsaufnahme ihre dämmende Wirkung aufrecht erhält und mit nur geringem Energieaufwand produziert werden kann.
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