Sind Pellets umweltfreundlich?

Sind Pellets wirklich umweltfreundlich?
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Aktualisiert am 08.04.2016
Die Pelletheizung wird gerne als die ökologische Art zu heizen angepriesen. Bei Verbrauchern kommt das gut an. Denn um das eigene Gewissen zu streicheln, lässt man sich auch gerne einen höheren Preis gefallen. Doch ist dieser Anspruch überhaupt gerechtfertigt? Wie umweltfreundlich ist die Pelletheizung wirklich? Wir nehmen in diesem kurzen Überblick einmal genauer unter die Lupe, warum genau Pellets umweltfreundlich sein sollen.

Pellets – Das ökologische Zugpferd

Die Pelletheizung ist in der Anschaffung ohne Frage eines der derzeit teuersten Heizsysteme auf dem Markt (siehe dazu unseren Artikel Was wird die Pelletheizung kosten?). Der höhere Preis wird aber mit zwei Argumenten gerechtfertigt, die beide auf Bilanzen Bezug nehmen. Das wäre einmal die Kostenbilanz und einmal die ökologische Bilanz. Kostentechnisch soll sich die Pelletheizung aufgrund der vergleichsweise geringen Rohstoffpreise auf lange Sicht rentieren. Umwelttechnisch dagegen wird gerne darauf verwiesen, dass die Pelletheizung CO2-neutral sei und zudem keine schädlichen Rückstände hinterlasse. Im Gegenteil könne mit der wenigen Asche, die übrig bleibt, sogar der Garten gedüngt werden. Klar, dass solche Argumente gut ankommen und damit den Verkauf deutlich ankurbeln. Doch stimmt das eigentlich? Sind Pellets umweltfreundlich?

Die CO2-Bilanz

  • Kurze Transportwege bei der Holzlieferung
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    © mitifoto | Pellets haben bezüglich ihrer Umweltbilanz einen ganz natürlichen logistischen Vorteil. Da Holz als Rohstoff regional…
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Die Pelletheizung gilt als CO2-neutral. Doch was heißt das eigentlich? Gemeint ist mit dieser Umschreibung, dass über die Verbrennung von Holzpellets nur genau so viel CO2 freigesetzt wird, wie die verwerteten Bäume im Laufe ihres Lebens aufgenommen haben und im Zuge ihrer natürlichen Verrottung ohnehin wieder freigegeben hätten. Da CO2 als wesentlicher Beschleuniger des Treibhauseffekts gilt, kommt diesem Aspekt eine herausragende Bedeutung zu.

Tatsächlich kann sich der CO2-Ausstoß einer Pelletheizung durchaus sehen lassen. Er beläuft sich auf bescheidene 40 g/ kWh. Im Vergleich dazu erzeugt eine Ölheizung 300 g CO2 pro kWh, eine Gasheizung immerhin noch ca. 240 g/ kWh. Im direkten Vergleich ist der CO2-Ausstoß einer Pelletheizung also wesentlich geringer als der von Heizsystemen, die mittels fossiler Brennstoffe betrieben werden. Und es wird noch besser! Denn Holz für die Pelletsproduktion ist im Regelfall regional verfügbar und hat daher keine annähernd so langen Transportwege zu bewältigen, wie sie z.B. bei der Förderung und Verfügbarmachung von Öl anfallen. Auch das wirkt sich positiv auf die CO2-Bilanz aus.

Klimafreundlich oder nicht?

  • Waldbrand setzt CO2 frei
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    © ladykenai | Wenn Holz verrottet, zieht sich dieser Prozess über Jahrzehnte hin. Das im Holz gespeicherte CO2 wird dabei nur allmählich…
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Das Argument, dass die Pelletheizung insgesamt CO2-neutral sein soll, hinkt allerdings etwas. Zwar wird wirklich nur so viel CO2 freigesetzt, wie der Baum bei vollständiger Verrottung abgegeben hätte. Allerdings kommt das in der Natur höchst selten vor. Im Gegenteil, viele Holzreste bleiben innerhalb von Wäldern dauerhaft konserviert und speichern ihr CO2 somit über viele Jahrzehnte. Der Wald wird somit zu einem CO2-Speicher, vergleichbar mit einer Filteranlage, die der Atmosphäre überschüssiges CO2 entzieht. Und selbst wenn dieser Faktor unberücksichtigt bliebe, handelt es sich bei der Verrottung um einen langfristigen Prozess, der sich über Jahre hinzieht und so das CO2 nur schrittweise freigibt. Das einzige, was eine massenhafte Freisetzung von CO2 auf natürlichem Wege ähnlich spontan hervorrufen kann wie das Verheizen, sind Waldbrände.

In Wahrheit wird über die massive Brennwertnutzung von Holzresten also sehr viel mehr CO2 erzeugt, als die Natur in einem vergleichbaren Zeitraum freigegeben hätte. Dieses CO2 wird folglich konzentriert in die Atmosphäre gespeist, was dem klimafreundlichen Aspekt zuwiderläuft. In Sachen Klimaschutz bleibt also nur das Argument, dass die Pelletheizung immer noch weniger CO2 erzeugt als alternative Lösungen mit fossilen Brennstoffen. Das ist gut. Doch CO2-neutral ist das eigentlich nicht.

Und die Pellets?

  • Holzverarbeitung in der Pelletsproduktion
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    © Kathleen Palnau | Was ursprünglich ein Vorteil war, macht zunehmend nachdenklich: Da für Pellets auch letzte Holzreste verwendet werden…
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Trotz Tücken in der CO2-Bilanz können sich Pelletheizungen zugute halten, dass sie auf einen besonders umweltfreundlichen Rohstoff zurückgreifen. Immerhin werden Holzpellets nur aus Holzresten hergestellt, wie sie in Sägewerken und holzverarbeitenden Industrien anfallen. Oder stimmt das gar nicht? Nun, es stimmt wohl nicht mehr so ganz. Denn seit Pelletheizungen von staatlicher Seite massiv gefördert werden, ist die Zahl der verbauten Heizsysteme stark in die Höhe geschnellt. Damit steigt aber auch der Bedarf an Holzpellets auf ein Niveau, das nicht mehr allein durch Holzreste gedeckt werden kann. In der Folge werden mittlerweile auch Abholzungen vorgenommen, um ausreichend Pellets produzieren zu können.

In diesem Zusammenhang tritt ein weiterer Aspekt in den Vordergrund, der besonders gravierend für die Umweltbilanz ist. Denn anders als bei anderen holzverarbeitenden Industrien, wie z.B. der Möbelindustrie, greifen Pelletproduzenten nicht nur auf Stammholz zurück. Sie verwerten gleich den gesamten Baum inkl. Geäst. So bleiben nicht einmal Holzreste im Wald zurück, womit auch sämtliche im Holz gespeicherten Mineralstoffe verloren gehen. Normalerweise wird der Boden über die Verrottung wieder mit Nährstoffen angereichert. Durch den vollständigen Holzentzug wird der Boden aber nach und nach ausgehungert.

Und wie sieht es mit der Asche aus? Bei der Verbrennung von Holzpellets fallen gerade einmal 5 g Asche pro kg Brennmaterial an. Das ist energetisch gesehen eine höchst erfreuliche Bilanz. Diese Aschereste sollten allerdings nur im Garten entsorgt werden, wenn die Pellets ohne  Zugabe von künstlichen Bindemitteln produziert wurden. Darauf ist beim Kauf zu achten. In der Regel werden daher nur teurere Pellets zum Heizen infrage kommen. Ansonsten müssten sich Heizungsbetreiber nämlich fragen, wie sie die Asche entsorgen wollen. Die Verantwortung dafür liegt nämlich ganz bei ihnen.

Pellets – umweltfreundlich oder nicht?

Will man die Frage, ob Pellets umweltfreundlich sind oder nicht, beantworten, kann eine Einschätzung eigentlich nur im Vergleich zu anderen Heizarten gegeben werden. Denn für sich allein genommen, wirken sich Pelletsproduktion und übermäßige Holzverbrennung durchaus auf die Umwelt aus. Erst gegenüber Ölheizung und Gasheizung spielt die Pelletheizung ihre ökologischen Trümpfe aus. Denn sie erzeugt nur einen Bruchteil des CO2, das Öl und Gas produzieren. Zudem verfrachtet die Verbrennung fossiler Brennstoffe Mengen an CO2 zurück in die Atmosphäre, die eigentlich dauerhaft unter der Erdoberfläche gespeichert waren – ein Umstand, der den Treibhauseffekt wesentlich beschleunigen könnte. Insofern sind Pellets also doch durchaus klimafreundlich. Besitzer einer Pelletheizung können daher etwas aufatmen und müssen sich nicht um den Schlaf beraubt fühlen.

Die Pelletheizung wird gerne als die ökologische Art zu heizen angepriesen. Bei Verbrauchern kommt das gut an. Denn um das eigene Gewissen zu streicheln, lässt man sich auch gerne einen höheren Preis gefallen. Doch ist dieser Anspruch überhaupt gerechtfertigt? Wie umweltfreundlich ist die Pelletheizung wirklich? Wir nehmen in diesem kurzen Überblick einmal genauer unter die Lupe, warum genau Pellets umweltfreundlich sein sollen.
  • Kurze Transportwege bei der Holzlieferung
    © mitifoto | Pellets haben bezüglich ihrer Umweltbilanz einen ganz natürlichen logistischen Vorteil. Da Holz als Rohstoff regional verfügbar ist, sind auch die Pelletproduzenten nicht weit. Das führt zu kürzeren Transportwegen und damit zu einem geringeren Schadstoffaustoß als bei der Verarbeitung und Verteilung fossiler Brennstoffe.
  • Waldbrand setzt CO2 frei
    © ladykenai | Wenn Holz verrottet, zieht sich dieser Prozess über Jahrzehnte hin. Das im Holz gespeicherte CO2 wird dabei nur allmählich und niemals vollständig freigesetzt. Bei der Verbrennung von Pellets ist das anders. Eine spontane Freisetzung vergleichbarer Mengen an CO2 gibt es in der Natur nur im Falle von Waldbränden.
  • Holzverarbeitung in der Pelletsproduktion
    © Kathleen Palnau | Was ursprünglich ein Vorteil war, macht zunehmend nachdenklich: Da für Pellets auch letzte Holzreste verwendet werden können, werden im Falle von frischen Schlagungen sämtliche Teile des Baumes verwertet. So bleibt kein Restholz im Wald zurück, das wieder Mineralien in die Erde tragen könnte. Eine Verödung des Bodens droht.
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Kommentare

Naja das mit der CO2-Neutralität ist schon eine Definitionssache. Was die Versorgung betrifft habe ich hier gelesen: https://www.pelletshome.com/versorgungssicherheit , dass alleine in Österreich durch Sägespäne und Hackschnitzel jährlich 2 Millionen Tonnen Pellets produziert werden können. Auch heißt es, dass 30% weniger geerntet wird als nachwächst.

Vielen Dank für Dein Feedback. Leider liegen Theorie und Paxis meist nicht so eng beeinander wie man sich das wünschen würde. Wie die tatsächliche Situation ist, lässt sich leider nicht 100% sagen. Man überlege, dass wenn z.B. im Westen Österreichs ein Überschuss an Holzresten vorhanden wäre und im Osten der Bedarf höher läge, dann würden die Holzreste bzw. Pellets aufgrund der Transportkosten nicht von West nach Ost transportiert werden. Viele Grüße

Nun: Das Holz, dass in einer Pelletsheizung verbrannt wird, ist in der Regel 50-150 Jahre alt (je nach Baumalter). In diesem Zeitraum ist das CO2 aus der Athmosphere im Baum eingebaut worden. Ebenso wachsen an den Stellen wo abgeholzt wird in diesem Zeitraum auch wieder gleichwertige Bäume nach. Die bauen in ebendiesem Zeitraum auch wieder die gleiche Menge CO2 ein. Heisst: Die Pelletsheizung ist WESENTLICH CO2 neutraler, als uns hier weise gemacht wird. Ausserdem würden die Abfälle von Hobelwerken (woher vielfach die Pellets kommen) sonst einfach woanders verbrannt und das CO2 ebenso freigesetzt - aber ohne mein Haus zu wärmen...

Hallo Ich bin Heizungstechniker, habe aber nichts mit mit irgendeinen Vertrieb zu tun.
In Feuerungstechnik habe wir gerechnet, wieviel Kohlenstoff wir brauchen um eine bestimmt Energie zu erzeugen. Je nach Brennstoff und deren Chemischen zusammensetzung sind das eben verschiedene Mengen. ABer, es ist immer die gleiche Menge Kohlenstoff und somit immer die gleiche Menge CO2. Oben im Text steht, dass es hier Unterschiede gibt, das kann ich mir nicht erklären, vor allem die Höhe der Unterschiede, das kann nicht sein.
Bitte auch hier mal gucken auf die Tabelle https://www.volker-quaschning.de/datserv/CO2-spez/index.php

Zweitens, bei uns im Steigerwald wird viel mit Holz geschürt. Wir haben hier oft am Abend eine Luft, schlimm, echt.
Ich bin der Überzeugung dass bei der Holzfeuerung ein wesentlicher Aspekt übersehen wurde. Für mich kommt nur Solar in Frage.
Ich würde mich freuen, wenn mich jemand berücksichtigen könnte. Bei uns will die Kommune ein Nahwärmenetz (ca. 30% Verteilverluste) mit Pelletten machen. Ich finde das nicht gut.

zurück im Büro, erstmal Entschuldigung für die mäßige Rechtschreibung und Grammatik.
Ich bat eigentlich um -Berichtigung- weil ich nicht verstehen kann, wie soll bei gleichen Kohlenstoffverbrauch und somit CO2 durch Erzeugung, Wirkungsgrad usw. so ein enormer Unterschied entstehen? 40g Pellet - 300g CO2 bei Heizöl. Oder ist hier der Brennstoff allein schon zu 100% neutral gerechnet und dann nur noch Erzeugung und Transport berücksichtigt.
Würde mich echt freuen, wenn mir da jemand auf die Sprünge helfen könnte, gerne auch mit Links zu anderen Quellen.

Hallo Peter,

Zahlen von 2018 finden sich z.B. hier: http://www5.umweltbundesamt.at/emas/co2mon/co2mon.html

Bei der CO2-Bilanz spielen auch die Produktions- und Vetriebswege der Brennstoffe mit rein. Und die setzen bei der Verfügbarmachung von Holzpellets deutlich weniger CO2 frei. Das unter der Prämisse, dass die Pellets CO2-neutral sind. Dass man das aber auch anders sehen kann, steht ja ohnehin im nächsten Absatz.

Wie ist es den mit dem Aspekt dass das Pelletlager alle 2-3 Wochen nachgefüllt werden muß? Das kommt dannein Diesel LKW. Öl muß ich ja nur eimal im Jahr nachfüllen. Und Gas kommt per Pipeline. Ist das auch berücksichtigt?

Hallo Klaus,

wie kommst Du denn darauf, dass die Pellets alle 2-3 Wochen nachgefüllt werden müssen? Üblicherweise wird das Lager so groß dimensioniert, dass man eine Saison ohne Probleme auskommt. Wenn der Platzz nich tgegeben ist, dann wird max. 1 Mal pro Saison nachgefüllt. Kleiner sollte das Lager nicht ausfallen. Viele Grüße

Wie groß (kubikmeter) muss den ein Pelettlager sein, damit ein 6 Parteien Haus (500 qm Wohnfläche) aus den 70er Jahren mit einer Pelletheizung durch das Jahr kommt?

Nun, das kommt ganz auf den Energieverbrauch und die Energiekennzahlen an. Für ein 6 Parteien Haus oder mehr gibt es sicher auch andere alternative Heizungssysteme die dann eventuell besser passen. Vor allem wenn thermisch nicht saniert wurde.

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